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Wildbienen – Ein Gewinn für jeden Garten!

Ein Garten soll blühen und den Menschen erfreuen! Aber reicht das wirklich aus? Für den Fortbestand des blühenden Gartens ist weitaus mehr nötig als der pflegende Mensch. Es bedarf eines natürlichen Gleichgewichts an tierischen Mitbewohnern. Wie kann man in einem Garten Inseln für wichtige heimische Insekten schaffen, ohne dass der Garten voll „Unkraut“ steht. Nur irgendein Insektenhotel aufbauen, reicht nicht! Es sollte auch ein Buffet gepflanzt werden.
Insektenfreundlich gärtnern?
Na klasse, da ist die nächste Blattlausplage vorprogrammiert! Nein! Im Gegenteil, der Insekten und somit auch Wildbienen freundliche Garten ist keine Unkrautwüste, sondern eine Oase in der spannende Naturbeobachtungen möglich sind und weitestgehend ein natürliches Gleichgewicht herrscht. Alle Tipps und Ideen lassen sich auch auf der Terrasse oder dem Balkon verwirklichen. Ein Garten ist also nicht notwendig, um weiter zu lesen!
Vor einem Jahr habe ich ein großes Insektenhotel bekommen. Zunächst war die Freude groß, aber die Anzahl der Hotelgäste gering. Heute, ein Jahr später, kann man 20 bis 30 Wildbienen zur gleichen Zeit beobachten, wie sie die Röhren mit ihrer Brut füllen. Egal, wie dicht ich mich dem Insektenhotel nähere und auch wenn ich - ohne Imkerausrüstung - direkt in er Flugschneise stehe, werde ich nicht attackiert. Die kleinen Hotelgäste fliegen um mich - und auch alle anderen Menschen herum - sie stechen nicht! Doch in diesem Insektenhotel aus Reet und Hartholz, in das Löcher gebohrt wurden, leben nur rund ein Drittel der heimischen Wildbienen. Zwei Drittel sind Wildbienen, die in der Erde nisten. Auch hier kann man leicht eine Nisthilfe in Form einer Sandlinse schaffen.
 
Buffet für Wildbienen
„Auch eine Biene isst gern einmal chinesisch!“ Diese Aussage stimmt! Trifft jedoch ausschließlich auf die Honigbiene und einige Hummelarten zu. Die heimischen Wildbienen benötigen heimische Pflanzen, die nicht züchterisch verändert wurden. Wildbienen sind Spezialisten und ernähren sich zum Teil ausschließlich von dem Pollen und Nektar einer Pflanzenart. Fehlt diese Pflanze, fehlt auch diese Wildbiene in dieser Region.
Ein weiteres wichtiges Argument für eine zum Teil Wildbienen freundliche Bepflanzung ist die Tatsache, dass Wildbienen maximal 400 Meter im Umkreis ihrer Legeröhre nach Nahrung (Pollen und Nektar) suchen. Zum Vergleich können die Honigbienen in einem Radius von bis zu 5 km nach Nahrung suchen.
Es ist alles eine Frage der Blüte – einfach oder gefüllt?
Pflanzen bestehen aus drei Grundorganen: Wurzel, Spross, und Blatt. Blüten werden durch Metamorphosen, also Umwandlungen des Grundorgans Blatt gebildet. Eine Blüte besteht aus Kelchblättern, Blütenblättern, Staubblättern (Pollen) und Fruchtblättern (Fruchtknoten und Stempel).
Kauft man sich eine Pflanze mit gefüllten Blüten, wurden die Staubblätter und die Fruchtblätter nicht ausgebildet. Stattdessen haben sich weitere Blütenblätter entwickelt. Dies war das Ziel des Züchters bei der Auswahl der Pflanzen in der Zuchtreihe.
Für Wildbienen, Honigbienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen, die Pollen und Nektar suchen, ist eine gefüllte Blüte wertlos, da beides nicht vorhanden ist. Diese Tiere fliegen ausschließlich zu ungefüllten Blüten! Eine duftende Blüte hilft den Tieren beim Auffinden. Neueste wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass Bienen bei vollem Flugtempo nur schwarzweiß sehen können und sich hauptsächlich am Duft der Blüten orientieren.
Wildblumen für Wildbienen
Kuhschelle, Schnittlauch, Flockenblumen, Glockenblumen, Heide-, Licht- und Pechnelken, Natternkopf, Fingerhüte, Eibisch und Ochsenzunge sind Beispiele für Wildpflanzen mit sehr dekorativen Blüten. Zugegeben, nicht alle genannten Pflanzen haben eine große Fernwirkung, um die Nachbarn zu beeindrucken. Doch für die Wildbienen sind diese Pflanzen ein Grund, sich bei Ihnen niederzulassen.
Es ist auch nicht notwendig, den ganzen Garten umzugestalten. Es findet sich immer ein Platz für eine Neupflanzung.
Sandlinse
Eine Sandlinse ist nicht nur im Garten möglich. Auch auf dem Balkon oder auf der Terrasse lässt sich sicherlich ein sonniger Platz, finden wo man einen mindestens 25 cm hohen Kübel platzieren kann. Dieser sollte einen großzügigen Wasserabzug (ca. 5 cm) aus Blähton bekommen. Aufgefüllt wird dann mit lehmigem Sand. Spielkistensand eignet sich nicht, da die Röhren, die die Bienen graben, immer wieder zurutschen. Um ihn im Winter vor Kälte zu schützen, stellt man den Kübel dicht an die Hauswand oder senkt ihn im Beet ein.
Einige Bienen nisten auch im Sand unter Ihrer Terrasse. Durch kleine Sandtrichter in den Fugen gelangen sie in ihr ca. 20 cm tiefes und verzweigtes Gänge-System. Also aufgepasst, nicht aus jedem Loch in der Terrassenfuge kommen ungeliebte Ameisen.
 
Wildbienenhotel
Wildbienenhotels sind mittlerweile beliebte Dekorationselemente in Gärten geworden. Doch sie sind weitaus mehr. Ein Wildbienenhotel mit Lochtiefen von mindestens 10 cm und Lochdurchmessern von 4 bis 8 mm sind aktiver Umwelt- und Wildbienenschutz. Die Löcher müssen sauber gebohrt sein, damit sich die Wildbienen nicht ihre Flügeldecken aufreißen. Die günstigste Holzart ist Hartholz. Darüber hinaus dürfen die Löcher nicht durchgehend sein. Es eignen sich aber auch Reet, markhaltige Zweige vom Holunder (diese werden von der Biene „aufgebohrt“) oder hohle Stängel von Brennnesseln oder Königskerzen. Leider erfüllen einige Wildbienenhotels diese Anforderungen nicht! Dies hat gravierende negative Auswirkungen auf die Wildbienen.
Wildbienen legen im hinteren Teil der Legeröhre (bisher immer Loch genannt) befruchtete Eier und einen Klops aus Nektar und Pollen ab. Dann folgt eine Mittelwand und eine weitere Zelle mit „Klops“ und Ei. So wird die freie Legeröhre immer kürzer. Ab einer von der Biene bestimmen Länge werden nur noch unbefruchtete Eier zu dem Klops gelegt. Aus den befruchteten Eiern schlüpfen im nächsten Jahr weibliche Bienen, aus den unbefruchteten Eiern männliche Bienen. Ist die Legeröhre von vornherein zu kurz, werden ausschließlich unbefruchtete Eier abgelegt und es entstehen dann nur männliche Tiere.
Wildbienenhotels sollten sonnig und mit den Legeröhren Richtung Süden aufgestellt werden. Bitte achten Sie darauf, dass das Hotel nicht schwingt. Ein kleines Vordach hält Regen ab. Von Gemeinschaftsunterkünften mit anderen Insekten ist abzusehen, da andere Insekten sich durchaus von den Gelegen der Wildbienen ernähren. Auch Vögel stellen eine Gefahr dar. Dünne senkrecht gespannte Drähte (Abstand ca. 3 cm zum Holz und in der Reihe) hält die gefiederten Freunde vom Räubern am Wildbienenhotel ab.
Doch es droht auch Gefahr aus den eigenen Reihen. Kuckucksbienen vernichten das Ei der Legeröhrenbesitzerin, legen ein eigenes ab und machen sich dann aus dem Staub ohne Blütenstaub für die Ernährung beigesteuert zu haben. Kuckucksbienen haben keinen pelzigen Körper und sind nicht in der Lage Pollen zu sammeln. In den Abendstunden habe ich schon Libellen, beobachtet die vor den Legeröhren jagen, aber so ist die Natur: Fressen und gefressen werden.
Kontakte – Hier wird Ihnen weitergeholfen:

Deutsche Wildtier Stiftung
Die Deutsche Wildtier Stiftung hat ein umfangreiches Programm zum Schutz von Wildbienen in Hamburg ins Leben gerufen. Dort können Sie sich auch eine kostenlose Broschüre zum Wildbienen freundlichen Gärtnern bestellen. (info@DeutscheWildtierStiftung.de)

Zoologisches Museum Hamburg im CeNak (Universität Hamburg)
Das CeNak hat einen Foto- und Malwettbewerb zu Wildbienen gestartet. Einsendeschluss ist der 20. August 2016. Darüber hinaus findet am 4. September im Zoologischen Museum ein Wildbienen-Informationstag statt. (www.cenak.uni-hamburg.de/aktuelles/aktions-sommer.html)

Botanischer Sondergarten Wandsbek
Zu den Öffnungszeiten des Gewächshauses haben Sie auch Zutritt zum kleinen Wildbienengarten mit vielen geeigneten Pflanzen und unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten, auch auf kleinstem Raum, einem gut besuchten Insektenhotel und unterschiedlichen Sandlinsen.

Hamburg summt!
Die Stiftung für Mensch und Umwelt begann im Jahr 2012 mit der Aktion: Hamburg summt! Auf der Internetseite finden Sie eine Vielzahl an Informationen.

Veröffentlicht: 29. Mai 2016
und auf der NDR Homepage
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