Die weihnachtliche Fensterbank - Pflanzen und mehr ...

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Die weihnachtliche Fensterbank

Es gibt viele Pflanzen, die wir mit Weihnachten in Verbindung bringen. Sie werden in der Adventszeit gekauft und der Kunde freut sich, wenn die Pflanzen bis zum Weihnachtsfest dekorativ aussehen. Jedoch ist die Enttäuschung groß, wenn die Weihnachtsbotanik die vier Wochen nicht überlebt. Wie eine Pflege aussieht, die den Pflanzen gut tut und wie man die Pflanzen langfristig am Leben erhält, erfahren Sie hier!

In der adventlichen Wohnung ist es kuschelig warm, Kerzen brennen und die weihnachtliche Dekoration funkelt. Gemütlich, denkt der Mensch und nippt an seinem heißen Weihnachtstee mit Zimt und Co. aromatisiert.
Doch wie geht es der lebendigen Weihnachtsdekoration, bestehend aus Weihnachtsstern, Weihnachtskaktus, Christrose, Ritterstern, Fichte und Tanne? Wenn sich ein Teil der Blätter an die kalte Fensterscheibe lehnt, tanzt der Andere lustig im trockenen und warmen Luftstrom, der von den Heizkörpern unter der Fensterbank aufsteigt. Wenn das nicht schon ungemütlich genug ist, kommen da noch die kalten Füße – besser gesagt Wurzeln – hinzu. Die meisten Fensterbänke sind perfekte Kältebrücken, die die Kälte von draußen über den Übertopf an den Topfballen weitergeben. Unter diesen Bedingungen sehnt sich jede Pflanze zurück nach ihrem Geburtsort, dem optimal temperierten Gewächshaus mit einer angenehmen Luftfeuchtigkeit. Fernab von menschlicher Romantik.

Die oben genannten Pflanzen lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Die coolen Typen von der Nordhalbkugel, die sich nichts sehnlicher wünschen, als unter dem Wolken verhangenen Sternenhimmel oder einer kuscheligen Schneedecke zu übernachten. Auf der anderen Seite, die heiß-blumigen Typen von der Südhalbkugel. Sie fangen bereits bei Temperaturen unter 15 °C an zu frieren und vermissen die wohltuende Luftfeuchtigkeit ihrer Heimat.

Jetzt wollen wir die unterschiedlichen Befindlichkeiten in unserem botanischen Weihnachtsdekorationspuzzle sortieren und neu zusammensetzen und die verbale Verwirrung von Amaryllis und Ritterstern sowie Tannen- und Fichtenzapfen lösen.

Der Ritterstern
Für mich ist der Ritterstern auf dem besten Weg der Liebling der Weihnachtsdekorationspflanzen zu werden. Obwohl er es schwer hat. Den Namen Ritterstern benutzt eigentlich niemand und er hat auch nichts „Weihnachtliches" oder „Christliches", wie seine Weggefährten, im Namen. Wer ist nun dieser Ritterstern? Es ist die Pflanze, die überall als Amaryllis angeboten wird.
Die echte Amaryllis kommt aus dem Süden Afrikas und blüht rosa. Die im Handel befindlichen Rittersterne blühen von weiß über rosa bis rot und kommen aus Südamerika. Die Botaniker ordnen sie in die Gattung Hippeastrum ein. Sie lieben Temperaturen über 15 °C und werden leicht angetrieben im Topf oder mit noch fast geschlossenen Knospen als Schnittblume angeboten.
Neu im Angebot sind Rittersternzwiebeln, die in Wachs getaucht sind. Sie benötigen keinerlei Pflege, nicht einmal Wasser. Ein kleiner Metallfuß gibt der Zwiebel samt Blüte halt. Die Blühdauer beträgt drei bis sechs Wochen, je nach Umgebungstemperatur.
Rittersternzwiebeln, die im Topf angeboten werden, bieten Blütenspaß über viele Jahre, wenn man die Pflanzen im Sommer wieder Energie tanken lässt. Ist die letzte Blüte abgefallen, wird die Pflanze hell bei 15 °C aufgestellt. Es entwickeln sich lange Blätter, die bis in den Herbst hinein Sonnenenergie für die Zwiebel bereitstellen. Dieser Vorgang kann ab dem 15. Mai auch an einem halbschattigen Platz im Freien erfolgen. Ende September stellt man die Pflanzen drinnen trocken auf. Die Blätter welken und die Ruhephase der Zwiebel beginnt. Mitte November setzt man die Rittersternzwiebel in frische torffreie Blumenerde und stellt sie bei rund 20 °C im Wohnzimmer wieder auf. Die Blüten werden im zweiten Jahr noch imposanter ausfallen als im ersten. Somit eignet sich der Ritterstern nicht nur für den ambitionierten Pflanzenfreund, sondern auch für Schnittblumenfans und sogar für „Pflanzen-nicht-Pfleger"!

Der Weihnachtsstern
Erdbeeren aus dem Sommer tauchen auch jetzt im Winter in den Auslagen der Geschäfte auf. Warum bringt der Handel keine Weihnachtssterne im Sommer auf den Markt?
Weil er ohne seine farbigen Hochblätter öde und langweilig aussieht. Für den Mexikaner ist unser Sommer mit 14 und mehr Stunden Licht einfach zu stressig, um zu blühen. Er liebt den "Kurztag" seiner Heimat mit rund acht Sonnenstunden pro Tag. Mein im Gewächshaus übersommerter Weihnachtsstern begann Mitte Oktober mit der Ausfärbung der Hochblätter. Dies ist der Grund, warum sich die Pflanzen nicht dem Handel beugen wie die Erdbeeren.
Qualitätscheck beim Kauf: Sollte er in einer Pflastikfolie stecken, sollte man diese einmal herunterziehen, um den festen Sitz der Blätter an der Pflanze zu überprüfen. Zwischen den Hochblättern sollten sich kleine "Gnubbel", die Knospen oder Blüten, befinden. Fehlen diese, handelt es sich um alte Pflanzen. Es gibt Händler, die Weihnachtssterne unter freiem Himmel feilbieten; ihnen sollte man die verschnupften Sterne zur weiteren Pflege überlassen.
Weihnachtssterne werden in der Größe Mini, Midi, Normal, Maxi und als Hochstamm angeboten. Sie wünschen sich auch Temperaturen über 15 °C.

Der Weihnachtskaktus
Für meinen Geschmack ist er die Pflanze für das nächste Weihnachtsfest. Das bedeutet: er hat für dieses Jahr zu viel Umzugsstress. Von der Gärtnerei in den Blumenladen und dann zu Ihnen in die adventliche Stube. Das machen die Blüten häufig nicht vernünftig mit. Doch im nächsten Jahr bedankt er sich mit einer Blütenfülle, die von Ihren Adventgästen mit Applaus gewürdigt wird. Die Pflanze ist im atlantischen Regenwald Brasiliens beheimatet und wünscht sich Temperaturen über 15 °C.

Nachdem wir jetzt die heiß-blumigen Typen kennengelernt haben, kommen wir zu den coolen Typen.


Die Christrose
Ist eine winterharte Staude, die den Eingangsbereich zu Ihrem Haus oder Ihren Balkonkasten schmücken möchte. Gibt es im Freien eine ordentliche Ladung Schnee, ducken sich die Blüten weg und warten auf Tauwetter, um dann an der Stelle weiterzublühen, an der sie aufgehört hatten. Die Christrose ist also nichts für die Fensterbank. Oder?
Doch. Pfiffige Gärtner haben herausgefunden, wenn man alle Laubblätter entfernt und nur die Blütenknospen verbleiben, die Christrose zu einer Indoor-Fensterbankpflanze wird, die zuverlässig blüht. Die Christrose wird, wie der Ritterstern auch, als Schnittblume angeboten.

Pflanzen mit roten kugeligen Früchten
Im Christentum symbolisieren die kräftig roten Beeren die Bluttropfen Christi und das satte Grün verkörpert die Hoffnung auf neues Leben. Vielleicht deswegen werden Rebhuhnbeere und Skimmie jetzt gern in den Garten geholt und für Gestecke verwendet. Die stacheligen Blätter der Stechpalme erinnern darüber hinaus noch an die Dornenkrone Jesu.

Der Weihnachtsbaum
Fichte oder Tanne? Diese Frage stellt man sich einmal im Jahr beim Kauf eines Weihnachtsbaumes. Den Unterschied erkennt man schnell beim Blick auf das Preisschildchen am Baum. Doch ist der Baum auch richtig ausgeschildert? Auch dies erkennt man schnell beim Blick auf die Nadel. Vernebelt der Glühwein und die Dunkelheit den Blick, hilft nur eins: Handschuhe ausziehen und fühlen. Sind die Nadeln weich und rund, handelt es sich um eine Tanne. Sind die Nadeln fest und pieksig, handelt es sich um eine Fichte.
Ist der Weihnachtsbaum ausgewählt, kommt der Transport zur weihnachtlich geschmückten Stube in spe. Handelt es sich um einen kleinen und knuffigen Baum, kann er bequem im Auto Platz nehmen. Größere Exemplare werden schon eher auf das Autodach verbannt. Hier entzieht der Fahrtwind den Nadeln Wasser und die Zweige entscheiden sich deutlich früher, sich von den Nadeln zu trennen. Hier ist eine winddichte Tüte über dem Haarnetz angeraten. Der Baum sollte, wenn möglich, langsam an die warme Stube gewöhnt werden. Auch wenn der Stamm nicht das geeignetste Organ zur Wasseraufnahme einer Pflanze ist, so erhöht ein gutes Tröpfchen Wasser doch die Haltbarkeit der Nadeln am Baum.
Lieben Sie Weihnachtsbäume und Adventskränze mit echten Kerzen, sollten Sie einen Feuerlöscher – der glücklicherweise passend in einem roten Mantel daherkommt – bereitstellen. Für einen Adventskranz reicht auch eine Löschdecke. Nicht nur für die trockenen Nadeln reicht ein Fünkchen, um sie zu entflammen, auch die frischen Zweige mit ihren ätherischen Ölen sind leicht entflammbar.

Der Tannenzapfen im Adventskranz
Den Tannenzapfen im Adventskranz gibt es genauso wenig wie den Weihnachtsmann. Bei diesem Dekorationselement aus dem Wald handelt es sich, wenn er kurz und dicklich rund ist, um einen Kiefernzapfen. Bei den länglichen Zapfen handelt es sich um einen Fichtenzapfen. Sicherlich ist es kein Tannenzapfen, denn dieser zerbröselt oben im Baum, um seine Samen in die Freiheit zu entlassen. Im Gegensatz zu Fichte und Kiefer stehen die Zapfen der Tanne aufrecht im Baum und ein einfaches Öffnen ist nicht ausreichend, um die Samen mit dem Wind auf die Reise zu schicken.

Zum Schluss wünsche ich Ihnen und Ihren weihnachtlichen Stimmungsmachern aus dem Pflanzenreich ein entspanntes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Veröffentlicht: 29. November 2015
und online auf der NDR Homepage

Ausstellungstipp

Weihnachtsbotanik
im Botanischen Sondergarten
jährlich vom 1. bis 23. Dezember

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