Tropische Kostbarkeiten auf der Fensterbank - Pflanzen und mehr ...

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Tropische Kostbarkeiten auf der Fensterbank

Man muss nicht in die Tropen reisen, um selbstgezogene tropische Pflanzen auf der Fensterbank sein Eigen nennen zu können. Ein Ausflug zum gut sortierten Obst- und Gemüsehändler ist ausreichend, um an Saat, Knollen oder Stecklinge zu gelangen. Wie daraus Pflanzen werden, erfahren Sie hier.
Jetzt in der Garten und Balkon freien Zeit vermisst man schon einmal das gärtnerische Hegen und Pflegen und die Freude zu spüren, wenn sich aus den ausgelegten Saatkörnern kleine Pflänzchen entwickeln. Doch darauf braucht man auch im Herbst und Winter nicht zu verzichten. Die Obst- und Gemüseabteilung birgt ein wahres Eldorado an tropischen Samen, Knollen und Stecklingen, die nur darauf warten, zum Leben erweckt zu werden. Die Heizung in der kuschelig warmen Wohnung ist der Katalysator, der aus den „Abfällen“ des Obstsalates oder einigen nicht verbrauchten Knollen in der Wohnung einen tropischen Garten entstehen lässt.

Was wird benötigt?
Pro Pflanzenart wird ein „Vermehrungs-Set“, bestehend aus einem Blumentopf mit Untersetzer oder Übertopf, torffreier Blumenerde und einer lichtdurchlässigen, klaren PET-Flasche benötigt. Der Durchmesser des Blumentopfes sollte nur wenig größer sein als der der PET-Flasche. Bei der Flasche wird mit einem Kuttermesser vorsichtig der Boden abgeschnitten. Dann soll diese saugend in den Blumentopf passen. Fertig ist unser kleines Tropengewächshaus. Gern kann das Ensemble direkt auf einem Heizkörper oder auf einem Fußboden mit Fußbodenheizung aufgestellt werden. Findet sich jedoch nur ein Platz auf einer kalten Fensterbank, ist ein Korkuntersetzer hinzuzuziehen, um die Blumenerde im Topf vor der Kälte zu schützen. Über einen solchen Untersetzer freuen sich im übrigen auch alle anderen Topfpflanzen auf einer kalten Fensterbank - denn wer hat schon gern kalte Füße.
 
Aussaat
Nur besonders gekennzeichnete Früchte (Entkernt, Seedless, Kernlos) enthalten keine Samen. Nicht besonders gekennzeichnet jedoch sind Bananen. Die als kleine braune Pünktchen erkennbaren Samen sind nicht voll entwickelt und somit nicht keimfähig. Bananensaat ist fast doppelt so groß wie eine Erbse. In allen anderen Früchten sollten sich Samen befinden, ob diese keimfähig sind, gilt es herauszufinden.
Wer versuchen möchte, Andenbeeren und Kürbisgewächse wie Melonen, Kürbis und Kiwano zur Keimung zu bringen, dem sei gesagt: „Es funktioniert! - Sehr gut sogar!“ Aufgrund des starken Wachstums, das bereits nach wenigen Tagen einsetzt, wird es vermutlich eng für den weihnachtlichen Tannenbaum. Verschieben Sie Ihren Versuch daher auf Mitte April, die Pflanzen können dann ab dem 15. Mai im Garten weiter wuchern.
 
Die Saat tropischer Pflanzen beginnt sofort mit der Keimung im Gegensatz zu heimischen Früchten. Samen von Äpfeln, Birnen, Pfirsichen & Co. müssen erst eine Keimruhe überwinden. Diese schützt die Jungpflanze davor, die Unbilden des Winters überstehen zu müssen. Der Schutz vor zu frühem Keimen tropischer Samen ist das Fruchtfleisch. Dieses ist in jedem Fall gut zu entfernen - schon um Fäulnis zu verhindern.
 
Drachenfrucht - Das weiße Fruchtfleisch mit den unzähligen Samen ist ein Selbstgänger. Auch die Kaktusfeige zeigt passable Ergebnisse. Meine Favoriten sind Zitrusfrüchte, Chilis, Dattelpalme und Papaya. Die Samen keimen zuverlässig und die Pflanzen lassen sich über viele Jahre im Zimmer - im Sommer auch im Freien (ausgenommen Papaya - siehe auch Weiterkultur) - halten. Aus den Samen der Maracuja, Granadilla und Kiwi entwickeln sich sehr wüchsige Kletterpflanzen.
 
Die großen Samen aus der Avocado können im Wasserglas keimen, aber auch Einsetzen direkt in die Blumenerde ist erfolgreich. Das Saatkorn wird mit der breiten Seite in das Substrat gedrückt. Etwa ein Drittel bis die Hälfte schaut noch aus dem Substrat heraus.
 
Sehr lohnenswert sind auch die Kiefernzapfen, die in der Weihnachtszeit angeboten werden. Es entwickeln sich dekorative, jedoch nicht winterharte kleine Kiefernbäumchen.
 
Speziell ist die Aussaat von Mangokernen. In der Natur werden die Kerne von Tieren verdaut, dies erleichtert die Wasseraufnahme. Um einen unverdauten Mangokern zur Keimung zu bringen, wird eine Wasserpumpenzange benötigt, um den Kern zu öffnen (ohne den Embryo zu beschädigen). Der Embryo wird entnommenen in das Substrat gedrückt. Er besitzt eine kleine "Nase", diese sollte nach dem Einpflanzen noch herausschauen. Jetzt helfen regelmäßige Wassergaben und ein Standort mit etwa 22 bis 25 °C.
 
Ein Aussaat-Versuch mit allen anderen Pflanzen macht viel Spaß und funktioniert wie folgt: Die tropischen Saatkörner werden vom Fruchtfleisch befreit und auf ein torffreies Substrat gestreut. Mit einem Sieb wird Substrat in der Stärke des Saatkornes übergesiebt. Aus einer PET-Flasche wird - wie oben beschrieben - ein kleines Gewächshaus gebastelt und über die Aussaat gestellt. Dieser "Gewächshaustopf" wird an einem hellen und warmen Ort aufgestellt. Zwei bis acht Wochen dauert die Keimung. Viel Spaß!
Stecklinge
Die Ananas versteckt die kleinen rehbraunen Samen hinter jeder Wabe. Die Ernte ist mühsam und die Keimung nicht immer erfolgversprechend. Einfacher ist es, den Schopf der Ananas-Frucht als Steckling zu verwenden. Bereits beim Kaufen achten Sie bitte darauf, dass die Blätter im Schopf noch alle vorhanden und fest verwachsen sind. Lassen sich die Blätter leicht lösen ist die Frucht lecker reif, aber der Schopf wächst nicht an.
 
Vorbereitung: Schneiden Sie den Schopf ohne Fruchtfleisch von der Frucht. Entfernen Sie die unteren Blätter, sodass etwa fünf Millimeter vom Stängel sichtbar werden. Dann stellen Sie den Schopf in ein mit Wasser gefülltes Glas. Die Schnittstelle sollte auf dem Wasser stehen. In den folgenden Tagen ist das verdunstete Wasser nachzufüllen. Innerhalb von vier bis sechs Wochen bilden sich Wurzeln. Der bewurzelte Ananasschopf kann dann in torffreie Blumenerde getopft werden.
Knollen
Manchmal findet man Ingwerknollen, die bereits etwas austreiben. Aber auch alle anderen eignen sich prima. Drücken Sie die Knolle liegend, bis zur Hälfte in torffreie Blumenerde und stellen den Topf an einem hellen und warmen Ort auf. Ältere Pflanzen ziehen jetzt im November ein und machen eine Winterpause bis etwa April.
 
Auch aus der Süßkartoffelknolle lassen sich leicht dekorative Planzen ziehen. Stellen sie die Knolle mit der Spitze nach unten in ein hohes Glas und füllen es zu einem Drittel mit Wasser. Nach einer Geduldsphase von etwa fünf Wochen zeigen sich Triebe mit Wurzeln. Diese können abgetrennt und eingetopft werden. Auch das Einpflanzen einer ganzen Knolle direkt in torffreie Blumenerde ist möglich.
 
Ein weiteres sehr wüchsiges Knollengemüse ist die Knollen-Sonnenblume - Topinambur. Hier ist eine Vorkultur ab April möglich, aber eigentlich nicht notwendig. Pflanzen Sie die Knollen im Mai in frische, gut gedüngte Gartenerde. Doch beachten Sie bitte, dass diese Pflanzen sehr ausbreitungsfreudig sind. Auch Frost gebietet der Pflanze keinen Einhalt! Eine Wurzelsperre bestehend aus einem aufgeschnitten Kübel möchte ich anraten.
 
Weiterkultur
Bei der Weiterkultur der Pflanzen muss unbedingt die Klimaspanne der ursprünglichen Heimat der Pflanze beachtet werden. Kiwi-Pflanzen lassen sich gut ganzjährig - an Rankgestellen oder Hauswänden - im Freien kultivieren. Auch die einjährigen Andenbeeren, Chilis und Paprika tragen in warmen Sommern viele Früchte, wenn sie auf der Terrasse, dem Balkon oder im Garten wachsen. Auch die Knollen von Süßkartoffel und Topinambur, sowie Melone, Kürbis und Kiwano  entwickeln sich im Freien prima.
Drachenfrucht, Mango, Avocado, Ananas und Papaya lieben es auch bei uns warm. Sie sind somit ganzjährig Zimmerpflanzen, die es kuschelig warm lieben und viel Licht brauchen.
Alle Töpfe oder Kübel mit Zitruspflanzen, "Weihnachts-Kiefern", Maracuja und Dattelpalmen können den Sommer im Freien verbringen. Sobald die Temperaturen nachts anhaltend unter 10°C sinken, sind diese Planzen wieder in einen beheizten und hellen Raum einzuräumen.
 
Fragen?
Fragen zur Vermehrung und zur Pflege von "Tropischen Kostbarkeiten auf der Fensterbank" können Sie jederzeit per E-Mail oder am Tag der NDR 90,3 Sendung "Gartentipps des Monats" telefonisch (08000 903 903) stellen. Dann haben wir die Möglichkeit, Sie in der Sendung zurückzurufen und Sie persönlich zu beraten.   

Veröffentlicht: 7. November 2016
und auf der NDR Homepage
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