Stauden teilen oder nicht? - Pflanzen und mehr ...

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Stauden teilen oder nicht?

Stauden sind nicht verholzende mehrjährige Pflanzen. Viele winterharte Arten dieser Pflanzengruppe leben in unseren Gärten. Einige wünschen sich sehr, dass sie geteilt werden, damit sie wieder blühen. Andere hingegen reagieren nach dem Teilen mit einer Blühverweigerung und anderen ist es egal. Lesen Sie hier mehr über die geteilte Freude im Reich der Stauden in Sachen Teilung.

Staudenteilung — ein Buch mit sieben Siegeln?
Nein! Man muss nur prüfen, warum man zur Grabegabel greift!
Wachsen und blühen alle Pflanzen prima, besteht kein Grund zum Eingreifen. Werden in diesem Garten Pflanzen geteilt, entstehen wieder Freiflächen, in denen sich unwillkommene Pflanzen – nennen wir sie hier kurz Unkräuter – breit machen können. Warum sind die Unkräuter böse? Diese Pflanzen stehen in Licht-, Wasser- und Nährstoffkonkurrenz zu den vom Gärtner gepflanzten Gewächsen. Von der „Unordnung" mal ganz abgesehen. Folgen dieser Teilungsaktion: Wir müssen mehr Unkraut pulen. Einige empfindliche Pflanzen wachsen eventuell nicht wieder an.
Tipp: Füße stillhalten – Never change a running system!
Müssen wir jedoch feststellen, dass einige Pflanzen nicht wie gewünscht Blüten entwickeln, müssen wir prüfen, ob der Griff zur Grabegabel hier helfen kann. Wir können Pflanzen in dieser Hinsicht in drei Gruppen einteilen: Typ: „Offener Boden" — Typ: „Bodendecker und Horstbildende Stauden" — Typ: „Überalterte Pflanzung" — Typ: „Wurzeldruck". Natürlich können hier nicht alle Stauden aufgeführt werden, aber anhand der Beispiele können Sie viele Probleme auch bei anderen Stauden erkennen und behandeln. Sollten Sie hier unsicher, sein rufen Sie doch einfach in dieser oder einer der nächsten Sendungen an und stellen Ihre Fragen.
Typ: „Offener Boden"
Auch am Naturstandort hat die einzelne Staudenmargerite keine hohe Lebenserwartung. Nach drei bis vier Jahren sterben die Pflanzen ab und haben sich bereits in den Jahren zuvor durch Neuaussaat erneuert. Diese Neuaussaat ist jedoch nur bei offenen, d. h. unbewachsenen Bodenflächen möglich. Durch regelmäßiges Teilen und Neuaufpflanzen kann man die Stauden verjüngen. Beim Unkraut jäten sollte man auf Staudenmargeriten-Sämlinge achten und diese nicht entfernen.
Typ: „Bodendecker und Horstbildende Stauden"
Hierzu gehören die allermeisten Stauden. Diese Pflanzen möchten am liebsten ungestört wachsen. Der Gärtner sollte von Zeit zu Zeit zu aufdringliche Nachbar-Stauden entfernen, damit auch schwachwüchsigere Pflanzen ihren Platz behalten. Ansonsten ist hier ein Eingreifen von Menschenhand über viele Jahre nicht notwendig. Es bedeutet allerdings nicht, dass diese Beete überhaupt keiner Pflege bedürfen, natürlich müssen auch diese Pflanzen von Unkräutern befreit werden!
Typ: „Überalterte Pflanzung"
Möchte man blühende Bergenien im Garten sehen, sollten diese von Zeit zu Zeit geteilt und neu aufgepflanzt werden. Bildet die Bergenien-Pflanzung erstmal ein geschlossenes Blätterdach, bleiben auch bald die schönen Blüten aus. Auf der anderen Seite kann die Bergenie aber auch hervorragend als reiner Bodendecker in abgelegenen Bereichen des Gartens eingesetzt werden. Zwischen ihren starken Blättern lässt sie keine anderen krautigen Pflanzen zu. Als Unterpflanzung von Bäumen und Sträuchern ist sie jedoch geeignet.
Auch Schwertlilien (Iris) bilden einige Jahre nach der Pflanzung keine neuen Triebe mehr und verkahlen zur Mitte der Pflanze. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, die Pflanzung zu verjüngen, indem man die Rhizom-Enden, die noch gut im Laub, stehen mit einem Messer vom Rest der „Rhizom-Schlange" abtrennt und neu einpflanzt. Tipp: Nicht zu tief pflanzen! Nach dem Angießen muss das Rhizom wieder zu sehen sein.
Typ: „Wurzeldruck"
Bauern- oder Pfingstrosen sollten mit bedacht, gleich an den richtigen Platz im Garten gepflanzt werden. Nach der ersten Pflanzung, beziehungsweise nach dem Umpflanzen, kann es zwei bis drei Jahre dauern bis sich die gewünschte Blütenpracht einstellt.
Ähnlich reagieren auch die nicht winterharten Kübelstauden Liebesblume (Agapanthus) und Riemenblatt (Cliva). Diese Pflanzen sollten erst umgetopft werden, wenn der Kübel von den Wurzeln gesprengt wurde oder eine Wasser- und Nährstoffversorgung im Sommer trotz Untersetzer zu aufwändig geworden ist. Der neue Kübel sollte dann auch nur wenig größer gewählt werden. Muss die Pflanze geteilt werden, weil der Kübel sonst zu groß und zu schwer werden würde, ist auch bei den Jungpflanzen der kleinstmögliche Topfdurchmesser zu wählen.
Herbst oder Frühjahr? Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Es gibt für jede Jahreszeit gute Gründe für und gegen das Pflanzen, Umpflanzen und Teilen von Stauden. Ich persönlich bevorzuge das Frühjahr, weil die Pflanzung dann ohne Gefahr von Bodenfrösten und mit ansteigender Bodentemperatur und längeren Tagen gut starten kann. Beim Teilen und Umpflanzen im Herbst müssen die Triebe und Blätter entfernt werden, um gut arbeiten zu können. Damit wird aber auch ein wichtiger Teil des pflanzeneigenen Winterschutzes entfernt. Bei früh einsetzenden Bodenfrösten können die Pflanzen sich nicht mehr ausreichend im Boden verwurzeln und es besteht die Gefahr, dass die Pflanzen vertrocknen. Zwei Nachteile der Frühjahrspflanzung möchte ich aber auch nennen: man muss mit der Bewässerung der Pflanzen mehr aufpassen. Der Herbst ist unter Umständen niederschlagsreicher als das Frühjahr. Der zweite Grund ist, dass sich die Pflanzen im Frühjahr – vor dem Austrieb – schlechter auffinden und bestimmen lassen. Hier kann man aber bereits im Spätsommer und Herbst Vorsorge treffen und geeignete Etiketten an den Pflanzen anbringen, die geteilt oder umgepflanzt werden sollen.
Letztendlich überwiegt bei der Diskussion um Herbst oder Frühjahr aber die persönliche Meinung der Menschen. Den allermeisten Pflanzen ist es vermutlich egal.
Spaten oder Grabegabel? Welches Gerät eignet sich besser?
Beim Arbeiten im Staudenbeet sollte die Grabegabel – die im Handel zum Teil auch als Staudengabel angeboten wird – bevorzugt eingesetzt werden. Den Spaten verwendet man erst, wenn man mit der Grabegabel nicht mehr weiterkommt, weil das Wurzelwerk zu dicht und störrisch ist.
Der Vorteil der Grabegabel liegt klar beim verletzungsärmeren Arbeiten im Wurzelwerk. Jede Wunde ist eine Eintrittspforte für Pflanzenkrankheiten. Daher sollte der Gärtner, wenn die Staude es zulässt, die Teilung auch mit der Hand vornehmen und so vorsichtig einzelne Stücke voneinander trennen. Reicht hier die Muskelkraft nicht aus, kann man eine zweite Grabegabel in die Staude stecken und so die Pflanze auseinander hebeln. Erst wenn auch dies nicht möglich ist, kommt der Spaten – oder gar ein Beil – zum Einsatz, um einzelne Stücke abzutrennen.
Sind Stauden ein Beschäftigungsprogramm?
Nein! Ganz im Gegenteil. Der faule Gärtner wird sich einen staudenreichen Garten einrichten. Pflegeintensiver ist das Staudenbeet im ersten Jahr der Pflanzung, bis sich alle Pflanzen etabliert haben. Um das Unkraut zu unterdrücken, kann man direkt nach der Pflanzung Rindenmulch auf dem Beet verteilen. So haben es anfliegende und in der Erde befindliche Samen deutlich schwerer zu keimen. Hat man alles richtig gemacht, ist es im zweiten Jahr nach der Pflanzung ausreichen das Unkraut alle zwei Wochen zu entfernen. Gegebenenfalls wird noch einmal Rindenmulch nachgestreut und die eine oder andere Pflanze nachgepflanzt. Die Ersatzpflanzen sollte man zukaufen und nicht durch Teilung gewinnen, um keine neuen Löcher zu erzeugen.
Steht ein Umzug an?
Sie können alle Stauden, im Gegensatz zu den Gehölzen, problemlos einpacken und mitnehmen. Wichtig beim Umzug ist es, nur gesunde und von Wurzelunkräutern freie Pflanzen mitzunehmen. Teilen Sie die Stauden gleich bei der Entnahme in handliche Stücke, es erleichtert den Transport. Dies ist sogar im Hochsommer (bei starkem Rückschnitt und ausreichenden Wassergaben nach der Pflanzung) und im tiefen Winter bei offenem Boden möglich. Jedoch wünschen sich die Stauden diese Tortur nicht!
Eine Ausnahme bilden hier jedoch wieder Bauernrose und Co. aus der Gruppe Typ „Wurzeldruck". Hier sollte der Ballen großzügig bemessen und sparsam zurückgeschnitten werden, vielleicht merkt die Pflanze den Umzug dann gar nicht.
Sie sehen Stauden sind kein Buch mit sieben Siegeln! Wenn man alles richtig macht, ist der Staudengarten ein blühendes Paradies ohne großen Aufwand und Folgekosten.

Veröffentlicht: 28. September 2015
und online auf der NDR Homepage

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