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Sinnvoller Winterschutz, wie sieht er aus?

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Wer sich keine Gedanken um den Winterschutz bei seinen Gartenpflanzen machen möchte, sollte ausschließlich einheimische Pflanzen und Pflanzen aus der gleichen Klimazone pflanzen. Und dennoch sollten einige einheimische Pflanzen und Kälte empfindliche Schönheiten im November noch einmal unsere Aufmerksamkeit erfahren.

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Bevor man sich an die Planung des Winterschutzes macht und hierfür Materialien einkauft, sollte man folgende Frage stellen:
Welche Pflanzen kommen nicht ohne meine Hilfe aus?
Wenn Sie eine der jetzt folgenden Fragen klar mit „Ja" beantworten können, müssen Sie in Sachen Winterschutz aktiv werden:
Kommt die Pflanze aus einer anderen Klimazone?
Sie befindet sich in einem Kübel oder Balkonkasten?
Sie ist erst nach dem ersten Standjahr winterhart?
Bei allen heimischen Pflanzen ist ein Winterschutz nicht notwendig. Allerdings sollte man sich um immergrüne Pflanzen und winterharte Stauden und Gehölze im Kübel kümmern. Winter-Tipps (
T Tipp) hierzu finden sie am Schluss unter Punkt 2.).

1.) Wovor muss ich schützen: Licht, Kälte oder Wasser?
Lichtschutz:
Viele Pflanzen leiden im Winter durch die starke Sonneneinstrahlung. In den Blättern und Stängeln befinden sich viele mit Wasser gefüllte Zellen. Wenn das Zellwasser gefriert, dehnt es sich aus. Die Zellwände winterharter Pflanzen geben nach, ohne zu reißen. Taut das Zellwasser durch starke Sonneneinstrahlung und damit verbundener Wärme auf, gerät der Saftstrom wieder in Fluss. Dies können die ausgeleierten Zellwände häufig nicht aushalten und reißen.
Beispiele
Kletterrosen (Rosa): Sollte eine Beet-, Edel- oder Strauchrose im Winter Schaden nehmen, ist es meistens nicht so schlimm. Die ersten beiden werden sowieso im Frühjahr — wenn die Forsythien blühen — zurückgeschnitten. Auch eine Strauchrose verträgt dann eine Korrektur mittels Rosenschere. Sehr ärgerlich ist es jedoch, wenn die Triebe von Kletterrosen, die einen geschlossenen Rosenbogen bilden, zurückfrieren.
T Tipp: Schützen Sie die Südseite der Pflanze mit Tannen oder Fichtenzweigen vor der Sonneneinstrahlung. Die Nordseite muss nicht geschützt werden.
Trompetenwinde (Campsis radicans): Die Pflanzen sind in den ersten Jahren kälteempfindlich und sollten vorsichtshalber etwas vor der Sonne sowie kalten Winden geschützt werden. Besonders dann, wenn sie an Rankgestellen aus Metall wachsen.

T Tipp: Umwickeln Sie die Triebe (inklusive Rankgestell) bis etwa zwei Meter Höhe mit einem atmungsaktiven Winterschutzvlies.
Winterharte Kamelien (Camelia) sollten im ersten Winter nach der Pflanzung (diese sollte bereits im Mai erfolgt sein) gegen Sonne und kalten Wind geschützt werden.
T Tipp: Formen sie eine Reetmatte zu einem Tipi und stülpen dieses über die Pflanze.

Kälteschutz:
Handelt es sich um eine Pflanze, die aus einer Klimazone kommt, in der die Winter nicht so kalt sind, ist ein Schutz vor der Kälte notwendig.
Beispiel
Winterharte Banane (Musa basjo): Die Blätter und die Stämme erfrieren meist bei der ersten Frostnacht mit Temperaturen unter -2 °C. Jedoch treiben die Pflanzen im Mai zuverlässig wieder aus.
T Tipp: Schützen Sie das Wurzelwerk mit einer ca. 50 cm starken Schicht aus Rindenmulch. Diese können Sie wie auf dem Foto zu sehen mit einer Reetmatte und Bambusstäben zusammen halten.

Winterharte Banane im Sommer

Winterharte Banane mit Winterschutz

Veröffentlicht: 04. November 2015
NDR 90,3 - Gartentipps des Monats
und online auf der NDR Homepage

Tropische und mediterrane Pflanzen im Kübel sollten in beheizten Gebäuden den Winter verbringen. Da hier die Lichtverhältnisse meistens schlecht sind, sollte das Einräumen erst kurz vor den Frösten im November erfolgen. Bei Frostepisoden im Oktober reicht meistens ein kurzfristiges unterstellen in einer Garage oder im Schuppen.

Wasserschutz:
Einige Pflanzen leiden in unserem Hamburger Winter unter den Niederschlägen. Sie bekommen zu nasse Füße oder ein zu nasses „Herz", das im Frühjahr für einen neuen Austrieb sorgen soll.
Beispiele
Winterharte Kakteen, meist Ohrenkakteen (Opuntien) sind es gewohnt Kälte bei Trockenheit zu überleben. Ist der Boden nass, kann die Pflanze nicht eintrocknen und sich vor der Kälte schützen. Darüber hinaus beginnen die Wurzeln zu faulen.
T Tipp: Ein lichtdurchlässiges Dach, das vor Regen schützt, aber keinen Wärmestau verursacht.

Pampasgras und Fakellilie: Die Blätter leiten das Wasser in das Zentrum der Pflanze am „Herz" vorbei. Dies kann zu Fäulnis und Kälteschäden führen.
T Tipp: Die Blätter sollten, wie ein Tipi, nach oben zusammengebunden werden. So bleibt das „Herz" trocken. Darüber hinaus sollten die Wurzeln mit einer Schicht aus Laub oder Rindenmulch vor Kahlfrösten geschützt werden.

Hanfpalme: Hier ist es ähnlich wie beim Pampasgras und der Fakellilie, doch ich habe einen speziellen Winterschutz-Tipp.
T Tipp: Nähen Sie einen atmungsaktiven Winterschutzvlies zu einem ausreichend großen Schlauch zusammen. Dieser Schlauch wird vorsichtig über die Blätter auf den Palmenstamm gezogen. Dann werden die Blätter etwas zusammengehalten und der Schlauch vom Stamm aus zurück über die Blätter gezogen, bis man den Schlauch über den Blättern zusammenbinden kann. Nach dem Zusammenbinden wird das Ende des Schlauches nach unten geneigt. So wird das Eindringen von Regenwasser verhindert. Das andere Ende des Schlauches wird mit Rindenmulch am Stammfuß befestigt. So sind auch die freiliegenden Wurzeln vor Kälte geschützt. Nach meiner Erfahrung mit dieser Technik überstehen die Palmen so auch sehr kalte wie milde Winter.


Werden die winterharten Palmen nicht vor der Schneelast geschützt, können auch die Wedel ausreißen. Das Palmenherz leidet nicht unter dem Schnee, jedoch unter dem Frost, nachdem es geregnet hat, auch Tage und Wochen zuvor.

2.) Immergrüne und winterharte Pflanzen im Kübel oder Balkonkasten
Immergrüne Pflanzen im Garten ausgepflanzt
Rhododendron, Eiben, Skimmien, winterharte Kamelien, Buchsbaum und Co. sollten vor den Monaten mit anhaltendem Frost ausreichend gewässert werden. Diese Pflanzen verdunsten auch im Winter Wasser über die Blätter, wenn auch deutlich weniger als im Sommer. Gehen die Pflanzen mit einem trockenen Boden in den Winter, kann es zu Schäden kommen.

Winterharte Pflanzen im Kübel oder Balkonkasten
Hier gibt es keine „Überlebensversicherung“. In einem Gefäß besteht immer die Gefahr, dass der Ballen komplett durchfriert. Dann können die Pflanzen vertrocknen oder die Wurzeln durch die Kälte Schaden nehmen. Auch wenn viele Pflanzen im Kübel den Winter bisher gut überstanden haben, muss man die mögliche Gefahr eines Verlustes der Pflanze einkalkulieren.
Das Einwickeln des Kübels mit Luftpolsterfolie hilft hier nur bedingt. Sie hält zunächst die Kälte ab. In Wintern mit anhaltendem Frost jedoch friert auch ein mit Luftpolsterfolie geschützter Kübel durch. Dann sollte die Folie sofort entfernt werden, da sonst die Kälte im Kübel vor der Wärme geschützt wird. Oberirdische Teile der Pflanzen sollten nie mit Luftpolsterfolie geschützt werden, da es unter der Folie zu Schwitzwasser und zum Wärmestau kommen kann. Beides vertragen Pflanzen nicht. Bevor ein Kübel gegossen wird, der durchgefroren war, muss er erst komplett aufgetaut sein. Anderenfalls kann es zu Schäden durch Staunässe kommen.

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Veröffentlicht: 4. November 2015
und online auf der NDR Homepage

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