Richtiges Gießen und Bewässern - Pflanzen und mehr ...

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Richtiges Gießen und Bewässern

Der Spruch „Das Schönste an der Gartenarbeit ist das Gießen" fehlt in keiner Gartenlaube. Allerdings ist die richtige Dosierung des Wassers – im Gartenboden, in den Kübeln auf der Terrasse und in den Töpfen der Zimmerpflanzen – die schwierigste Aufgabe beim Gärtnern!





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Nur etwa 2,6 Prozent des Gesamtwasservorrates der Welt ist Süßwasser. Das Meiste des Süßwassers ist - glücklicherweise noch - im Polareis, Meereis, in Gletschern und Tiefengrundwasser gebunden. Das verbleibende Wasser steht Pflanzen, Tieren und uns Menschen zur Verfügung. Wir sollten mit diesem raren Gut verantwortungsbewusst umgehen. Wir können Regenwasser in Tonnen oder Zisternen auffangen und es dann für die Gartenbewässerung verwenden. Hierfür ist kein aufwendig gereinigtes Trinkwasser aus der Leitung notwendig. Darüber hinaus sollten wir bedenken, dass Pflanzen in der freien Natur auch ohne menschliche Wassergaben überleben. UND, Unkrautsamen keimen auf trockenem Boden schlechter – noch ein Grund, im Garten sparsam zu wässern.
Wichtigster Tipp für Gartenpflanzen: Nicht mit Wasser verwöhnen!
Wenn eine Pflanze im Boden erst einmal Fuß gefasst hat, wachsen die Wurzeln zum Wasser. Das bedeutet, mit dem Absinken des feuchten Horizontes im Boden wachsen die Wurzeln dem Wasser hinterher. Allerdings muss dies der Gärtner auch zulassen. Also Schluss mit dem ständig oberflächlich feuchten Gartenboden, dies verwöhnt die Pflanzen und man kommt in wirklich heißen und trockenen Perioden nicht mit dem Gießen nach.
Was bedeutet sonnenschlapp?
Pflanzen haben nicht die Möglichkeit, aus der Sonne zu „gehen", wenn es ihnen zu warm wird. Dennoch haben sie wirkungsvolle Mechanismen entwickelt, sich zu schützen. Bei großer Hitze, starker Sonneneinstrahlung und beginnendem Wassermangel im Boden stellen Pflanzen die Verdunstung ein, indem die Spaltöffnungen geschlossen werden. Gleichzeitig lassen sie die Blätter schlapp hängen, um die Oberfläche, die von der Sonne beschienen wird, zu verringern. So wird Wasser gespart.
Kommt jetzt der Gärtner mit einer gutgemeinten „Erfrischung" und sprüht ein bisschen Wasser über die Pflanzen, nehmen die Blätter diese Erfrischung gern an und melden an die Wurzeln: „Es ist kühler geworden und regnet, wir können wieder in den „Normalbetrieb" umstellen". Doch die Wurzeln schauen sich – um bei diesem Bild zu bleiben – verdutzt um und finden kein Wasser, das sie an die Blätter schicken können. Der Gärtner hat die Wassergabe längst eingestellt und das zunächst verteilte Wasser ist im warmen Boden schnell an der Oberfläche verdunstet. So kann man den Pflanzen das Leben in einer wasserarmen Zeit richtig schwer machen. Hätte der Gärtner nicht eingegriffen, wären die Pflanzen mit Einbruch der Dunkelheit wieder in den „Normalbetrieb" zurückgekehrt und hätten die Blätter wieder aufgerichtet.
Was will mir die Pflanze sagen, wenn sie morgens noch schlapp ist?
Antwort: Die Pflanze hat mächtigen Durst und die Wurzeln finden in ihrem Bereich kein Wasser mehr. Jetzt ist der Gärtner mit seinem Schlauch gefragt. Doch wieviel Wasser ist jetzt notwendig? Dies ist nun wiederum abhängig von der Bodenart und der Bepflanzung.
Das Wasser muss zu den Wurzeln!
Wenn man diesen Satz beherzigt und weiß, in welcher Tiefe sich die Wurzeln befinden, ist die Wassermenge etwas leichter abzuschätzen. Zuwenig Wasser veranlasst die Pflanze, die Wurzeln wieder weiter nach oben zu verlagern und man muss häufiger gießen. Zu starke Wassergaben waschen wichtige Nährstoffe in das Grundwasser aus. Dies ist für die Umwelt, für die Pflanze und für den Geldbeutel nicht gut.
Pflanzen mit einem flachen Wurzelsystem, wie zum Beispiel Rhododendron (und Rasen), müssen häufiger aber nicht so durchdringend gewässert werden. Etablierter Rasen übersteht auch ohne Bewässerung den Sommer, wenn er vor Hitzeperioden nicht zu tief geschnitten wird.
Pflanzen, die ihre Wurzeln tiefer in den Boden senden, wie Stauden, Sommerblumen und Gehölze, sollten maximal einmal pro Woche gewässert werden. Hierbei kommt es darauf an, dass das Wasser langsam in dem Boden einsickert und vom Boden gehalten werden kann. Eine Bewässerung mit Schlauch und Sprenger oder Perlschlauch ist also dem Wasserschwall der Gießkanne vorzuziehen. Dies besonders bei lehmigen Böden, die nur schlecht Wasser aufnehmen. Einem sandigen Boden rinnt das Wasser durch die „Hände". Er kann es einfach nicht speichern. Es empfiehlt sich, Gärten mit sandigem Boden häufiger mit weniger Wasser zu gießen - wie bei den Flachwurzlern. Diese Böden sollten durch regelmäßige Kompostgaben verbessert werden.

Stieger oder Schuffel – Unkrautbekämpfung und Bewässerung in einem Durchgang
Unkräuter – also Pflanzen, die bei der Beetplanung nicht vorgesehen waren, stehen in Wasser- und Nährstoffkonkurrenz zu den erwünschten Pflanzen. Beim „Stiegern" wird die an den Kanten scharfe Metallplatte durch die Erde geschoben und durchtrennt den Stängel von der Wurzel der Unkräuter. Dabei werden auch die Kapillare - feine Röhren im Boden, in denen Wasser von unten aufsteigt – zerstört. Das Wasser verdunstet jetzt nicht mehr an der Oberfläche, sondern bleibt im Boden und steht den Wurzeln zur Verfügung. Die Aufgabe kann im Stehen durchgeführt werden, die Unkräuter vertrocknen im Beet. Diese Tätigkeit sollte wöchentlich und bei trockenem Wetter wiederholt werden.
Richtiges Gießen von Pflanzen in Gefäßen auf der Terrasse oder Fensterbank
Pflanzen in Gefäßen können nicht erzogen werden wie die Gartenpflanzen. Hier haben die Besitzer einen „Pflegeauftrag"! In den Gefäßen sollte die Erde nach dem Gießen vollständig abgetrocknet sein bevor erneut gegossen wird. Man kann nicht auf Vorrat gießen. Wenn die Pflanzen dauerhaft zu nass stehen, beginnt die Erde zu riechen und Wurzeln verfaulen. Verfaulte Wurzeln können kein Wasser mehr aufnehmen und die Pflanze hängt schlapp. Beim schlapp Hängen durch Ertrinken ist eine Rettung sehr viel schwerer. Zunächst muss die Erde zügig trocken gelegt werden. Hierfür nimmt man einen Stapel Zeitungspapier und stellt den Erdballen (ohne Topf) darauf. Dann ist die Pflanze gefragt, denn sie muss neue Wurzeln ausbilden. Erst jetzt kann wieder sehr vorsichtig gegossen werden. In dieser kritischen Phase darf nicht gedüngt werden. Die zarten Wurzeln würden sofort verbrennen.
Die Schnapsglas-Methode bei Orchideen
Ein Schnapsglas voll Wasser pro Woche für Orchideen kann nicht schaden! Oder? Leider doch! Eine frisch umgetopfte Pflanze benötigt im Sommer deutlich mehr Wasser. Eine Pflanze mit verbrauchtem Substrat ertrinkt bei der Wassermenge im Winter. Orchideen sind Pflanzen, die auf den Ästen tropischer Bäume bei hoher Luftfeuchtigkeit sitzen. Dort kennen sie keine Staunässe, das Wasser rinnt an den Wurzeln entlang und tropft ab. Wie sollen wir im Zimmer nun gießen? Wie immer: Wenn das Substrat trocken ist. Alle zwei Jahre sollte das Orchideen-Substrat ersetzt werden.

Veröffentlicht: 18.Juni 2015
und online auf der NDR Homepage

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