Herr und Frau Eibe - Pflanzen und mehr ...

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Herr und Frau Eibe

Ich möchte Ihnen Herrn und Frau Eibe sowie deren, nennen wir es einmal Gepflogenheiten, näher vorstellen.

Die "Eibens" leben grundsätzlich nicht in einem gemeinsamen Haushalt. Man sagt, sie seien sehr giftig, jedoch leben sie gesellig nebeneinanderher. Immerhin können Eiben zweitausend Jahre alt werden.

Von Weitem lassen sich Männlein und Weiblein, mit Ausnahme im Herbst, nur schwer unterscheiden. Bereits im Herbst wachsen die männlichen Blütenknospen heran, die dann im Frühjahr bei leichten Böen, die sonst so dunklen Gehölze in eine gelbe Pollenwolke hüllen. Um diese Pollenwolke sollten nicht nur Pollenallergiker einen Bogen machen. Denn auch von den Pollen geht eine giftige Wirkung auf den Menschen aus. Das Ziel der Pollen ist Frau Eibe. Diese empfängt die Pollen quasi aus heiterem Himmel und dazu noch von vielen Männern, die nicht einmal alle aus ihrem Umfeld stammen. So werden die Blüten bestäubt.

In den Sommermonaten lässt Frau Eibe die Früchte heranreifen, während bei Herrn Eibe, unter den Nadeln die Reste seiner Mannespracht vertrocknet und langsam zu Boden rieselt. Im September kann man dann die Ergebnisse der mütterlichen Sorge erkennen. Die leuchtend roten Früchte setzen sich gut erkennbar von den dunklen Nadeln ab.

Die süßen Früchte sind eine willkommene Nahrung für Vögel. Verzehrt wird nicht nur der „leckere“ Samenmantel, sondern auch der Kern. Dieser erhält erst jetzt, bei der Passage durch den Vogelmagen, seine Keimfähigkeit. Die Saatkörner werden so in eine unbekannte Ferne entführt. In welchem Milieu die Kleinen "landen" und ob sie eine Zukunft haben, auf diese Fragen wird Mutter Eibe eben sowenig wie die Väter Antworten bekommen.

Eiben haben schon viele Epochen und Generationen von Menschen begleitet. Menschen haben sie im Laufe der Zeit für die unterschiedlichsten Aufgaben eingesetzt. Mythen, Aberglauben und Geschichten sind entstanden. Einige spiegeln sich in den diversen Volksnamen wieder.

Eiben sind mittlerweile weltweit bekannt. Sie sind sicherlich nicht überall heimisch und kommen auch nicht mit allen Klimaten zurecht, jedoch ist ihr botanischer Name für alle botanisch Interessierten verständlich.

Der botanische Name der Eibe lautet Taxus baccata. TAXUS ist der lateinische Name der Pflanze. Auch das griechische Wort "tóxon" für Bogen ist mit der Verwendung der Pflanze verbunden. Der Artname baccata bedeutet Beeren tragend oder mit Beeren versehen. Auch hier kommt das Stammwort aus dem lateinischen, bacca / baca bedeutet Beere.

Totenbaum - Die im Vergleich zu anderen Nadelbäumen dunklen Nadeln und die damit verbundene dunkle Erscheinung wurde als beängstigend empfunden. So wurde die Eibe zur Hüterin der Schwelle zur Unterwelt. Eiben wurden und werden daher auf Friedhöfen und an Gräbern gepflanzt. Eine weiterer Grund, der zu dem Namen Totenbaum geführt hat, ist die starke Giftigkeit. Im Tierreich sind besonders die Pferde gefährdet. Rund fünfhundert Gramm Zweigmaterial reichen aus, ein Pferd zu töten. Bei Rehwild hingegen steht die Pflanze auf dem täglichen Speiseplan. Für den Menschen sind alle Pflanzenteile giftig. Ausgenommen der leuchtend rote Samenmantel, der Arillus. Den Kern sollte man möglichst ausspucken, ein verschluckter Kern, der nicht aufgebissen wurde, ist unproblematisch.

Die erst vor wenigen Jahren bekannt gewordene Verwendung der einjährigen Nadeln im Kampf gegen Krebs hat noch zu keinem neuen Volksnamen, zum Beispiel Krebsbaum, geführt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Auffällig ist, dass in den letzten Jahren kaum neue Volksnamen zu bereits bekannten Pflanzen hinzugekommen sind. Im Zeitalter der Computer und weltweiten Vernetzung geht es nicht mehr um die Wirkung, die die Pflanzen auf die Menschen haben, sondern hauptsächlich darum, ob ein Name bereits geprägt wurde und somit richtig ist.

Die vielseitige Verwendung vor allem des Holzes, die moderne (veränderte) Waldpflege und der verhältnismäßig langsame Wuchs haben dazu geführt, dass die Pflanze auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen steht.


Veröffentlicht:
Zeitschrift: NaturErleben 2006/4

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