Botanische Glücksboten richtig pflegen - Pflanzen und mehr ...

Pflanzen und mehr ...
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Botanische Glücksboten richtig pflegen

Zum Jahreswechsel werden gern Pflanzen, dekoriert mit Schonsteinfeger oder Schweinchen, als Glücksbringer verschenkt. Doch häufig währt das Glück, die Pflanzen in einem ansehnlichen Zustand auf der Fensterbank zu erhalten, nicht lange. Wie man das „pflanzliche Glück“ am Leben erhält, lesen Sie hier.
Der Glücksklee oder Vierblättriger Sauerklee

(Oxalis tetraphylla alter Name: O. deppei)

Dieser Glücksbote wird extra für seinen Auftritt zu Silvester in den Gärtnereien kultiviert und endet meist wenige Tage später als Wegwerfartikel im Müll. Schade! Wird er im Januar hell und kühl aufgestellt und sparsam, aber regelmäßig mit Wasser versorgt, ist er ein treuer Begleiter. In den Sommermonaten ist er durchaus dekorativ im Balkonkasten. Gemeinsam mit den Dahlien machen auch die kleinen Glücksklee-Knöllchen eine Pause. Dieser vierblättrige Klee aus Mexiko ist nicht mit dem heimischen Klee Trifolium (Tri = drei; folium = blättrig) verwandt. Um bei dem heimischen dreiblättrigen Klee ein vierblättriges zu finden, bedarf es wirklich mehr als Glück.
Moosfarne (Selaginella)
Den Moosfarnen geht es häufig nicht besser. Einige Tage nach Silvester landet der Schornsteinfeger oder das Glücksschweinchen bestenfalls im Plastikmüll und die Grünpflanze, in die die Plastikfiguren Ihre drahtigen Beinchen steckten, ist zusammengebrochen. Stilvoll mit einem pilzigen Überzug. Doch wenn der Mossfarn etwas Glück hat, ist er in guten Händen gelandet. Auch er ist eine treue, aber anspruchsvolle Zimmerpflanze aus den Tropen. Der Moosfarn gehört zu den Bärlappgewächsen, die bereits weit vor der Entstehung der Blütenpfanzen glücklich in den Tropen lebten. In der Wohnung wünschen sich Moosfarne einen warmen, aber heizungsfernen Platz mit gleichmäßig feuchter, aber nicht nasser Erde. Sollten Sie ein Terrarium Ihr eigen nennen, ist der Moosfarn die ideale Besetzung.
Die Azalee
Blütenzauber im Winter. Diese Pflanzen im tristen, mehr oder weniger schneereichen Winter Freude auf das blühende Frühjahr. Azaleen, die mit dem winterharten Rhododendron im Park oder in Ihrem Garten eng verwandt sind, lieben es kühl. Die Wurzeln vertragen es deutlich nasser, als die anderen Zimmerpflanzen. Ist die letzte Blüte abgefallen - dies ist an einem warmen Standort im Wohnzimmer deutlich früher der Fall - kann man die Pflanze etwas zurückschneiden. Im Frühjahr treibt sie kräftig wieder aus und setzt die Blüten für den nächsten Winter an. Im Sommer steht die Azalee gern an einem schattigen Platz im Freien, gern mit dem Blumentopf im Erdreich eingesenkt. So übersommert kann die Azalee über viele Jahre Freude bereiten.
Das Alpenveilchen
Der deutsche Name "Alpenveilchen" ist etwas irreführend. Die Pflanzen, die wir jetzt in unsere Wohnungen holen, überleben in den Alpen auch nur in beheizten Räumen. Die Blüten der heimischen winterharten Alpenveilchen sind viel kleiner. Die ursprünglichen Pflanzen der heutigen Zimmerpflanzen sind in Nordafrika und Westasien beheimatet. Dort blüht sie in den milden Wintern. Im Sommer ziehen die Pflanzen sich in die Knollen zurück, um die hohen Temperaturen von über 40 °C zu überleben. Das Alpenveilchen als Zimmerpflanze wünscht sich einen warmen Raum, jedoch nicht über 20°C. Auch hier gilt: je wärmer die Pflanze aufgestellt wird, umso schneller ist sie verblüht und die Knospen kommen nicht mehr zur Blüte. Beim Gießen sollte man darauf achten, dass die Knospen, die jungen Blätter und die Knolle trocken bleiben. Bei Feuchtigkeit bildet sich hier sehr leicht ein Grauschimmelpilz. Dieser führt zum Absterben der Pflanze.
Über die Blütezeit hinaus kann man spannende Beobachtungen machen, wenn man drei bis vier Blüten bestäubt. Hierzu hält man den Daumennagel unter eine Blüte, die sich voll entfaltet hat. Mit einem Finger der anderen Hand klopft man leicht von oben auf den Blütenstiel. Die Pollen lösen sich und landen auf dem Daumennagel. In den Pollenhaufen tunken Sie eine andere Blüte die ebenfalls voll aufgeblüht ist. Nach wenigen Tagen verblüht die so bestäubte Blüte und der Fruchtknoten schwillt zu einer kleinen Kugel heran. Gleichzeitig beginnt der Blütenstiel sich spiralförmig aufzudrehen und sich unter den Blättern zu verstecken. Später platzt die reife Frucht auf und Sie können die kleinen knubbeligen Saatkörner ernten. Wenn Sie möchten, legen Sie diese in Blumenerde und decken sie mit einer 0,5 cm starken Schicht Blumenerde ab. Zusätzlich wird das Gefäß dunkel und warm aufgestellt. Alpenveilchen sind "Dunkelkeimer". Nach etwa vier bis sechs Wochen ist die Saat gekeimt. Bis zur Blüte Ihrer Nachzucht vergehen bei "zügiger", also optimaler Kultur, mindestens 31 Wochen.
Die Primeln
Wenn man eine Pflanze mit dem Frühling in Zusammenhang bringt, ist es die Primel oder auch Himmelsschlüsselchen genannt. Die Echte Schlüsselblume (Primula veris) wurde von der Loki Schmidt Stiftung zur Blume des Jahres 2016 ernannt. Aber auch die Kissenprimeln (Primula vulgaris) erfreuen sich großer Beliebtheit. Die in Gärtnereien vorgetriebenen Pflanzen vertragen Frost, jedoch leiden die Blüten sehr. Daher sollten sie einen frostfreien, jedoch nicht zu warmen Platz schmücken. Sind die Pflanzen ausgeblüht, können sie gern in den Garten gepflanzt werden. Dort entwickeln sie dann im nächsten Jahr nach der Schneeschmelze ihre entzückenden Blüten.
 
Vorsichtig sollte man mit der Becherprimel (Primula obconica) umgehen. Die Haut einiger Menschen reagiert nach dem Kontakt mit den Blättern mit starkem Juckreiz. Im Handel befinden sich Sorten mit dem Aufdruck TOUCH. Diese Pflanzen sind allergiefrei und können problemlos berührt werden.
 
Alle Primeln freuen sich über eine regelmäßige Wasserversorgung. Sollten Sie das Gießen einmal vergessen haben, richten sich die Pflanzen nach der Wassergabe wieder auf, jedoch leidet der Blütenflor.
Vorgetriebene Blumenzwiebeln in Töpfen
(Narzisse – Tulpe – Hyazinthe)
Hierbei handelt es sich um sogenannte "präparierte Zwiebeln", die in Gärtnereien vorgetrieben werden. Es sind aber grundsätzlich die gleichen Pflanzen, die auch im Frühjahr in den Gärten blühen. Also auch hier der Hinweis auf einen kühlen Standort in der Wohnung. Die vorgetriebenen Blumenzwiebeln können Sie auch in Arrangements in einer Schale zusammen mit anderen winterharten Pflanzen setzen und im Freien aufstellen. Bei Temperaturen deutlich unter O °C sollten Sie die Pflanzen jedoch in einem frostfreien Raum aufstellen, damit sie keinen Schaden nehmen. Unter Freilandbedingungen, die nicht vom Menschen manipuliert wurden, würden die Pflanzen noch nicht blühen. Sind Ihre vorgetriebenen Blumenzwiebeln verblüht, lassen Sie die Blätter an den Pflanzen und versorgen sie weiter mit Wasser. Etwa Mitte März, wenn kein Schnee, liegt können Sie die Pflanzen in den Garten setzen. Sollten Sie keinen eigenen Garten haben, bietet der "Zwiebelrettertisch" im Botanischen Sondergarten Wandsbek seine Dienste an. Hier können verblühte Zwiebelpflanzen abgestellt werden. Gartenbesitzer wiederum können diese in ihre Obhut nehmen. Weitere Informationen finden Sie unter: www.hamburg.de/wandsbek/tauschtisch-blumenzwiebeln/
Abschließend noch ein kleiner Tipp: Hyazinthen verströmen einen starken Duft. Dieser ist für ein Zimmer meistens zu stark. Es gibt sogar Menschen, die allergisch auf den Duft der Hyazinthen reagieren. Daher geben Sie dieser Pflanze lieber einen Platz im Freien und erfreuen sich durch die Fensterscheibe an der Schönheit der Blüten.

 
Veröffentlicht: 27. Dezember 2015
und online auf der NDR Homepage


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü