Aussaat im Zimmer oder Gewächshaus - Pflanzen und mehr ...

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Aussaat im Zimmer oder Gewächshaus

Bei der Aussaat im Zimmer oder Gewächshaus herrschen andere Bedingungen als bei der Aussaat direkt im Freiland. Dies gilt für alle Pflanzen, egal, ob es sich um Gemüse, Sommerblumen, Stauden oder Zimmerpflanzen handelt.
Saatgut - Qualität
Die Qualität des Saatguts ist entscheidend für den Erfolg der Aussaat. Achten Sie beim Erwerb von Saatguttüten auf das Abfülldatum. Es sollte nicht älter als ein Jahr sein. Zwischen dem Erwerb und der Aussaat ist das Saatgut im Kühlschrank zu lagern. So ist gewährleistet, dass der Stoffwechsel im Saatkorn auf ein Minimum reduziert ist. Dadurch wird verhindert, dass sich die Energie, die für den Austrieb benötigt wird, schon während der Lagerung aufzehrt.
Saatgut aus eigener Ernte wird vor dem Einlagern im Kühlschrank getrocknet und gereinigt.
Zum Aufbewahren von selbstgeerntetem Saatgut, aber auch überschüssigem Saatgut aus gekauften Tüten sind kleine luftdicht schließende Dosen zu verwenden.
Die Keimfähigkeit von Saatgut variiert sehr stark. Ananasgewächse behalten ihre Keimfähigkeit nur etwa fünf bis sieben Tage. Im Jahr 2008 gelang die Keimung von Dattelpalmensaat, die rund 2.000 Jahre alt war. Für den Hausgebrauch gilt: Man muss sich nicht wundern, wenn zwei Jahre altes Saatgut nicht den gewünschten Erfolg bringt.

Saatgut - Eigenheiten
Die meisten Pflanzen keimen, wenn das Saatgut in saatgutstärke mit Substrat abgedeckt und bei einer Temperatur zwischen 18 °C und 25 °C aufgestellt und angegossen wird. Bis zur erfolgten Keimung darf es nicht austrocknen.
Steht in der Aussaat-Anleitung jedoch das Wort „Lichtkeimer“, benötigt das Saatkorn Licht zur Keimung und darf nicht abgedeckt werden. Geschieht dies versehentlich doch, sinkt der Keimerfolg auf unter 10 Prozent. „Dunkelkeimer“ benötigen absolute Dunkelheit und können mit einer dickeren Schicht abgedeckt werden. Zusätzlich sollte eine lichtundurchlässige Platte oder Folie auf das Aussaatgefäß gelegt werden. Das Wort „Kaltkeimer“ weist darauf hin, dass nach der oben beschriebenen Aussaat zunächst eine vierwöchige warme Phase (ca. 18 °C) und anschließend eine sechswöchige kühle (+5 °C bis 0 °C) oder gar eine kalte (0 °C bis -5 °C) Phase erfolgen muss, bevor die Saat keimt. Besonders große Saatkörner sollten 24 Stunden in handwarmem Wasser „vorquellen“. Einige tropische Pflanzen benötigen sogar den Aufenthalt in deutlich wärmerem Wasser. Um dies zu gewährleisten, verwendet man eine Thermosflasche zum Vorquellen.

AUSSAAT: Was wird benötigt?
  • torffreies humoses, aber nur schwachgedüngtes Substrat (=Aussaaterde)
  • ein Aussaat-Gefäß mit Löchern im Boden, es sollte nicht höher als 5 bis 8 cm sein. Tiefer wurzeln die Sämlinge in diesem Gefäß nicht!
  • ein Sieb mit einer Maschenweite von ca. 0,8 mm.
  • eine Gießkanne mit (Haar)-Brause für ein vorsichtiges Angießen.
  • eine durchsichtige Abdeckung (Glas- / Acrylglas-Scheibe oder aufgeschnittene PET-Flasche)

Die Aussaat Schritt für Schritt erklärt
  1. Die Aussaaterde wird bis zu Zweidrittel in das Aussaat-Gefäß gefüllt und leicht angedrückt.
  2. Auffüllen mit durchgesiebter Aussaaterde bis zum Rand.
  3. Aussaaterde gerade abstreichen und leicht andrücken. Die Oberfläche muss in Waage bleiben, damit das Wasser gleichmäßig versickern kann.
  4. Die Saat wird gleichmäßig, nicht zu eng, in das vorbereitete Gefäß gestreut. Bei einem hohen Pflanzenbedarf lieber ein größeres Gefäß oder ein weiteres Gefäß verwenden.
  5. Je nach Aussaat-Anleitung die Saatkörner mit Aussaaterde gleichmäßig übersieben.
  6. Unter Verwendung der Gießkanne mit Haarbrause kräftig angießen.
  7. Die vorbereitete Abdeckung auf das Aussaat-Gefäß setzen.
  8. Aufstellen an einem sonnigen und warmen Ort (Fensterbank).
  9. Tägliche Kontrolle der Feuchtigkeit. Ist die Aussaaterde oberflächlich abgetrocknet, mit der Gießkanne leicht mit handwarmem Wasser übergießen.
  10. Wenn sich die Keimblätter entfaltet haben, kann die Abdeckung entfernt werden.
  11. Gefäß mit den Sämlingen kühler, aber nicht dunkler stellen.

Muss das sein? Vereinzeln der Sämlinge nach der Aussaat.
Ja! Es ist sogar überlebenswichtig für den jungen Sämling!
Um dies zu verstehen, müssen wir einen kurzen Ausflug in die Anatomie der Pflanze machen. Pflanzen bestehen aus drei Grundorganen: Wurzel, Spross und Blatt. Der junge Sämling jedoch hat erst zwei dieser Grundorgane ausgebildet. Es sind Wurzel und Blatt. Der Spross entwickelt sich erst oberhalb der Keimblätter. Wächst der Keimling nun lang dem Licht entgegen, ist es nicht der Spross, der die Keimblätter in die Höhe hebt, sondern es ist die Wurzel. Diese ist mit dieser Aufgabe irgendwann überfordert und knickt um. Dies ist das Todesurteil zunächst für diesen Sämling. Schnell stellen sich Pilze ein und zersetzen das junge Grün. Diese greifen dann zügig auch auf die noch gesunden und intakten Sämlinge über und zerstören die gesamte Aussaat in diesem Topf.
Bevor wir zur rettenden Lösung kommen, sei erklärt, warum die Sämlinge überhaupt so selbstmörderisch in die Länge wachsen. Bei der Aussaat im Zimmer haben wir nur den Faktor Wärme verändert. Der Faktor Licht ist bestenfalls gleichgeblieben oder sogar schlechter geworden. Der Sämling wächst intuitiv in die Höhe dem Licht entgegen. Ist es ihm zu dunkel, gilt es größer zu sein als der vermeintliche Schattenspender. Dieser existiert jedoch überhaupt nicht. Der Standort ist jahreszeitlich bedingt einfach zu dunkel. Entgegenwirken kann man, indem man nach erfolgter Keimung die Wärme reduziert, dann wird das Längenwachstum reduziert.
Zum frühen Sämlings-Tod muss es nicht kommen, wenn man rechtzeitig pikiert. Beim Pikieren ist es wichtig, dass die gesamte Wurzel ins Erdreich gepflanzt wird. Nach dem Pikieren haben also die Keimblätter Kontakt mit dem Substrat!
 
PIKIEREN: Was wird benötigt?
  • torffreies humoses, aber nur schwachgedüngtes Substrat (=Aussaaterde oder Pikiererde).
  • ein Gefäß mit Löchern im Boden, es sollte nicht höher als 5 bis 8 cm sein.
  • ein Sieb mit einer Maschenweite von ca. 0,8 mm.
  • ein Pikierstab (auf keinen Fall eine Pinzette verwenden!).
  • eine Gießkanne mit (Haar)-Brause für ein vorsichtiges Angießen.
 
Die Aussaat Schritt für Schritt erklärt
  1. Füllen Sie das Gefäß wie zur Aussaat in den Punkten 1 - 3 beschrieben auf.
  2. Bohren Sie mit dem Pikierstab ein Loch in die Pikiererde.
  3. Hebeln Sie vorsichtig mit dem Pikierstab die Pflanze aus der Erde im Aussaatgefäß.
  4. Fassen Sie mit Daumen und Zeigefinger ein Keimblatt an und legen den Sämling quer über das soeben vorbereitete Loch.
  5. Drücken / ziehen Sie das Ende der Wurzel mit dem Pikierstab in die Pikiererde bis die Keimblätter sich auf dem Niveau der Pikiererde befinden.
  6. Drücken Sie die Pikiererde rund um den Sämling leicht an und glätten das Substrat.
  7. Beginnen Sie in ca. 2 cm Abstand mit Punkt 2 um einen weiteren Sämling zu pikieren.
  8. Wiederholen Sie Schritt 2 bis 7 bis das Gefäß voll ist.
  9. Unter Verwendung der Gießkanne mit Haarbrause kräftig angießen.
 
Je nach Wärmebedarf der Pflanzen werden die Gefäße aufgestellt:
Sommerblumen und Gemüse: 15 °C bis 18 °C
Zimmerpflanzen: 20 °C
Tropische Pflanzen: 22 °C und wärmer.
Viel Spaß und Erfolg bei der Aussaat.
Fragen?   
Fragen zur Aussaat und zum Pikieren von Pflanzen können Sie jederzeit per Email oder am Tag der NDR 90,3 Sendung "Gartentipps des Monats" telefonisch (08000 903 903) stellen. Dann haben wir die Möglichkeit, Sie in der Sendung zurückzurufen und Sie persönlich zu beraten.   
Veröffentlicht: 31. Januar 2017
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