Teil 3 vom 17. September bis zum 9. Oktober 2011 - Pflanzen und mehr ...

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Teil 3 vom 17. September bis zum 9. Oktober 2011

Personen:
Marina Portugal Torres – Belo Horizonte MG / Brasilien
Bruno Cupertino – Belo Horizonte MG / Brasilien
Helge Masch – Hamburg / Deutschland

Was zuvor geschah:
• Teil 1 in 2006: Marina – unter Gärtnern und vor allem unter Brasilianern ist es üblich, sich beim Vornamen zu nennen – besucht Hamburg und arbeitet im Botanischen Garten Hamburg.

• Teil 2 in 2007: Mit dem Abflug am 11. September begann für mich, Helge, der Internationale Gärtneraustausch. Zwei Wochen in Brasilien - Belo Horizonte im Botanischen Garten der Fundação Zoobotânica.

Der Austausch 2011
In der Zeit vom 17. September bis zum 9. Oktober 2011 waren Frau Marina Portugal Torres und Herr Bruno Goes Cupertino zu Gast in Hamburg. Gastgebender Garten war der Botanische Sondergarten Wandsbek, ein Stätischer Botanischer Garten ohne wissenschaftliche Begleitung. In den drei Wochen wurde sich nahezu täglich über die folgenden Themen ausgetauscht:

  • Kultur und Pflege der Pflanzen

  • Baumschule

  • Biologischer Pflanzenschutz – insbesondere Homöopathie bei Pflanzen

  • Gartenschauen in Deutschland

  • Ausbildung zum Gärtner in Deutschland – Duales-System

  • Führung durch Hagenbecks Tierpark


Kutur und Pflege der Pflanzen
Bei Kurzpraktika im Botanischen Sondergarten (1 Woche), Planten un Blomen (2 Tage) sowie der internationalen gartenschau 2013 (3 Tage) erhielten Marina und Bruno Einblicke in die Arbeitsorganisation und die Arbeitstechniken der Hamburger Gärtner. Es wurde eine Staudenanlage geplant, Stauden-Lieferungen überprüft, Stauden nachgepflanzt und bewässert, sowie Unkräuter entfernt.

Besonders interessant für die Kollegen aus Brasilien waren die Vielzahl von unterschiedlichen Aufgaben, mit denen ein Gärtner hier beauftragt wird, sowie der allgegenwärtige Einsatz von Maschinen. In Brasilien stehen deutlich mehr Personen zur Verfügung, die eher einseitig beschäftigt werden, Maschinen stehen kaum zur Verfügung.

Eine völlig neue Aufgabe erwartete Bruno an seinem letzten Arbeitstag im Botanischen Sondergarten. Anfang Oktober mussten die nicht winterharten Pflanzen zurückgeschnitten und in das Gewächshaus eingeräumt werden. Bruno freute sich sehr darüber, dass am Tag seiner Abreise leichter Frost herrschte. Für ihn war es das erste Mal, diese Temperaturen zu spüren.

Baumschule
Der Botanische Garten Belo Horizonte ist auch für die Produktion von Straßen-Bäumen zuständig. Das Verpflanzen von großen Solitärbäumen, wie in Europa, ist aufgrund der Anatomie der dort verwendeten Gehölze nicht möglich. Zum einen steht die Ausbildung einer Pfahlwurzel – diese wächst schneller in die Tiefe als der Spross in die Höhe – zum anderen die maximal kleinen „Baumscheiben― in den Straßen den europäischen Kulturverfahren entgegen. Die Technik der
„Ballenware― wird in Brasilien nur bei Palmen eingesetzt.
Im Rahmen des Austauschs haben wir die Baumschule von Ehren in Hamburg und die Baumschule Bruhns in Bad Zwischenahn (chronologische Reihenfolge) besichtigt und uns über den Formschnitt, das regelmäßige Umpflanzen und die Versandorganisation unterhalten. Auch das Thema „Biologischer Pflanzenschutz― – der in den deutschen Baumschulen noch kaum Einzug gehalten hat - wurde erörtert.

Biologischer Pflanzenschutz – insbesondere Homöopathie bei Pflanzen
Der Einsatz von homöopathischen Präparaten bei Pflanzen ist in Deutschland noch eine neue Idee. Nicht so in Belo Horizonte, dort hat Marina bereits eine mehrjährige Erfahrung im Einsatz der Theorien von Hahnemann zur Gesundung und Stärkung von Pflanzen. Um von diesen Erfahrungen zu lernen und um einen Überblick im Bereich Nützlingseinsatz und Pflanzenstärkungsmittel in Deutschland zu erhalten, wurden Gärtner aus dem öffentlichen Grün und Firmenvertreter zu einem Workshop eingeladen. Leider konnten nur wenige Teilnehmer begrüßt werden. Vielleicht ist das Thema zu exotisch oder die Sprachbarriere verhinderte eine Teilnahme. Für die Kollegen, die teilnahmen, war es sehr spannend. Nicht alle Ergebnisse lassen sich rational erklären, aber die beobachtete Wirkung bei den Pflanzen spricht für sich.
Beispiel: Eine Pflanze aus einer Dreier-Gruppe Cycas wird mit einem Cocktail aus homöopathischen Mitteln gegen einen Pilzbefall behandelt. Nach einem für Brasilien untypischen Wetterphänomen - es regnete Eiswürfel große Hagelkörner - wurden alle Blätter der drei Cycas entfernt. Nach geraumer Zeit trieb nur die homöopathisch behandelte Pflanze wieder aus. Daraufhin wurden die beiden anderen Pflanzen ebenfalls behandelt. Rund ein Jahr nach dem Hagelschauer
begannen die Nachzügler mit dem Austrieb. Was genau passiert ist, lässt sich nicht sagen, aber es ist etwas passiert. Ob die Behandlung gegen den Pilz erfolgreich war, ist ungewiss, da die Blätter entfernt wurden, die neuen Blätter waren gesund. Das einhellige Resümee der Workshop-Teilnehmer war, homöopathische Mittel verstärkt auszuprobieren und die Ergebnisse zu dokumentieren.

Gartenschauen in Deutschland
Ein Besuch der Landesgartenschau Norderstedt zeigte den Gästen die Idee der deutschen Gartenschauen, eine Präsentation des Gärtner-Handwerks und eine Leistungsschau der Pflanzenzüchter. Das Praktikum in Planten un Blomen verdeutlichte, welchen Nutzen Städte aus den Gartenschauen für das öffentliche Grün ziehen können. Das Praktikum bei der igs 2013 hingegen offenbarte den enormen planerischen, organisatorischen und finanziellen Aufwand einer
solchen Leistungsschau. Als Sieger können Natur- und Umweltschutz sowie das öffentliche Grün hervorgehen. Letztendlich sollen die Besucher der Gartenschauen, genau wie die Besucher der Botanischen Gärten, für den Erhalt der Natur und das dortige Zusammenspiel von Pflanzen und Tieren sensibilisiert werden.

Ausbildung zum Gärtner in Deutschland
Den Ausbildungsberuf Gärtner gibt es in Brasilien nicht. Dort werden die jardineiros von Biologen und Agronomen angelernt und führen mit wenig Eigenverantwortung Arbeiten durch. Um den Ausbildungsberuf Gärtner mit seinen unterschlichen Ausbildungsgängen vorzustellen, trafen wir uns im Bildungs- und Informationszentrum des Gartenbaus mit den dortigen Ausbildern und Berufsschullehrern. Nach einer Besichtigungsrunde wurden die inhaltlichen Bestandteile der
Ausbildung erörtert.

Führung durch Hagenbecks Tierpark
In Belo Horizonte gehören der Botanische Garten und der Zoo zur gleichen Stiftung. Sie liegen auf demselben Gelände und teilen sich die Umweltbildung. Daher war der botanische Zoobesuch sehr interessant. Es wurde nicht nur über Gehege-Bepflanzung „gefachsimpelt―. Letztlich kristallisierten sich — wie immer — wieder die Themen „Bäume― (Pflanzung und der Erhalt der Verkehrssicherheit) sowie „der Chemie freie Pflanzenschutz― als wichtige Diskussionsthemen heraus. Die gemeinsamen Pflanzenschutz-Interessen zeigten sich besonders im Troparium, in dem der Einsatz von Chemie unmöglich ist.

Weitere Programmpunkte in der Übersicht:

  • Besuch der Norddeutschen Gärtner und Floristen-Fachmesse

  • Besuch des Weltvogelparks Walsrode

  • Besichtigung der Wandsbeker Naturschutzgebiete

  • Sommerausklang und Apfeltage in Klein Flottbek

  • Kennenlernen des Hamburger Straßenbaumkatasters

  • Hafencity, Speicherstadt und Hafen

  • Maracatu – für Marina das erste Mal live – Brasilianische Folklore in Hamburg

  • Schulgrün und ein Fußballplatz für Blinde

  • Shopping in der City und Bier direkt in der Brauerei

  • Essen in Hamburg zwischen Feijoada, Labskaus und Schweinshaxe mit Sauerkraut


Resümee
Auch wenn - oder gerade weil - zwischen Belo Horizonte und Hamburg rund 10.000 km liegen, die Mentalität der Südamerikaner nicht die der Europäer ist und sich die Pflanzen nicht nur in der Frostresistenz unterscheiden, war auch dieses Zusammentreffen in Hamburg wieder für beide Seiten eine Quelle der Inspiration und der Erkenntnis. Unsere Gäste genossen die vielen unterschiedlichen Eindrücke und lernten viel Neues kennen. Als Ausrichter bin ich etwas hochmütig davon ausgegangen, bereits das Meiste im Hamburger Gartenbau gesehen zu haben. Doch wenn man sein Handeln erklärt und dies fachlich kompetent, jedoch mit einer anderen Lebenserfahrung hinterfragt wird, öffnen sich die eigenen Augen für das Neue im Bekannten. Für Beide beginnt jetzt nach dem Austausch das schwierigste Stück des „Auftrags― – die neuen Erkenntnisse im alltäglichen Handeln zu berücksichtigen und für andere erlebbar und nachvollziehbar zu machen.
Bereits bei meiner Reise nach Belo Horizonte im Jahr 2007 hatte ich das Gefühl, dass jeder Tag ein neuer Höhepunkt der Reise war und dies Tag für Tag. Fast wortgleich berichtet Marina beim diesjährigen Besuch in Hamburg ihre Eindrücke. Dann ist da noch die englische Sprache, die Bruno tapfer für den Austausch gepaukt hat und bei einigen in Hamburg Panik und Wortlosigkeit im ersten Moment ausgelöst hat. Aus „Ich kann das gar nicht!― wurde die spannendste Kommunikation — manchmal auch ein fantastisches Missverständnis. Selbst ein eher stiller, behinderter Kollege überraschte uns mit einem perfekten „good morning".

Internationaler Gärtneraustausch ist MEHR

Mein Dank an alle, die dies MEHR ermöglichen!

Kontakt:
Stiftung Internationaler Gärtneraustausch
c/o Loki Schmidt Stiftung
Steintorweg 8
D - 20099 Hamburg

www.gaertneraustausch.de

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